VON 1888 BIS ZUM JAHR 2000


War das 18. Jahrhundert die Zeitepoche der größten numerischen Verbreitung des Ordens, ist das 20. Jahrhundert die Zeitepoche seiner größten geographischen Verbreitung; der Orden fasst in allen fünf Kontinenten Fuß. Von dieser größeren Internationalität des Ordens legen die folgenden Daten Zeugnis ab: Von seiner Gründung bis zum Jahr 1913 hatte der Orden nur einen einzigen nicht-italienischen Generalprior (den Südtiroler fr. Albuin M. Patscheider von der Tiroler Provinz). Von 1913 bis heute dagegen waren von insgesamt elf Generalprioren sieben nicht-italienischer Herkunft: der Franzose Alexis Henri M. Lepicier (1913-1920), der Engländer Augustine M. Moore (1926-1932), die US-Amerikaner Joseph M. Loftus (1965-1971) und Peregrin M. Graffius (1971-1977), der Kanadier Michel M. Sincerny (1977-1989), der Belgier Hubert M. Moons (1989-2001) und der Mexikaner Angel M Ruiz Garnica (2001-).

Für die Serviten war das 20. Jahrhundert vor allem gekennzeichnet durch das wachsende Engagement in den Missionen und die Übernahme von Neugründungen.

Die folgenden Missionsgebiete wurden vom Orden übernommen: 1913 Swaziland in Südafrika, 1919 Acre in Brasilien, 1937 Aysen in Chile und 1938 Zululand in Südafrika.

Die folgenden neuen Präsenzen wurden vom Orden gegründet: 1912 erfolgte die erste Gründung in Kanada; 1921 in Argentinien, 1935 in Transvaal (Südafrika), 1939 in Uruguay, 1943 in Spanien, 1946 in Bolivien, 1947 in Irland, 1948 in Mexiko, 1951 in Australien, 1952 in Venezuela, 1954 in Deutschland, 1963 in Kolumbien, 1974 in Indien, 1984 in Mozambique, 1985 auf den Philippinen, 1991 in Ungarn, 1993 in Albanien, 1998 in Uganda und im Jahr 2005 in Indonesien.

Im Jahr 1943 legte in London Joan Bartlett die Ursprünge zur Gründung des Servitanischen Säkularinstitutes; in Italien wurde im Jahr 1959 ein zweites Säkularinstitut des Ordens, das Regnum Mariae, gegründet.

 

Im Jahr 1987 entstand auf Initiative des Generalpriors Michel M. Sincerny die internationale Union der Servitanischen Familie (U.N.I.F.A.S.).

Nach dem II. Vatikanischen Konzil nahm der Orden die Revision seiner Konstitutionen (Ordensregel) in Angriff: Angestoßen wurde diese Reform vom außerordentlichen Generalkapitel 1968 (in Majadahonda bei Madrid) und abgeschlossen mit der im Jahr 1987 gewährten Approbation des Heiligen Stuhles.

Im Jahr 1964 erreichte der Orden zum zweiten Mal in seiner Geschichte, nach dem ersten Höhepunkt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Zahl von 1700 Mitgliedern.

Andere, aus dem 20. Jahrhundert zu berichtende Daten sind die Gründung der Theologischen Päpstlichen Fakultät Marianum des Ordens im Jahr 1950; die Selig- (1952) und die Heiligsprechung (1962) des fr. Antonius M. Pucci; die Geburt des Historischen Institutes des Ordens im Jahr 1959 und in der Folge des II. Vatikanischen Konzils der Internationalen Liturgischen Kommission (CLIOS); und der Beginn der regelmäßigen Publikation der wissenschaftlichen Zeitschriften Studi Storici dell’Ordine dei Servi di Maria (1931) und Marianum (1939) des Ordens. Ebenfalls zu erwähnen sind die Heiligsprechung von Clelia Barbieri (+ 1870), der Gründerin der kleinen Schwestern der Schmerzensmutter, und die Seligsprechungen von Ferdinando Maria Baccilieri (1997), er gehörte dem III. Orden, der Laiengemeinschaft des Ordens an, und von Sr. Maria Guadelupe Ricart Olmos (2001), einer spanischen Klausurschwester und Märtyrerin in der Zeit des spanischen Bürgerkrieges.

Bedeutende Persönlichkeiten des Ordens im 20. Jahrhunderts waren fr. Alexis Henri M. Lepicier (1863-1936), Generalprior und Kardinal der Kurie; der bedeutende Mariologe fr. Gabriel M. Roschini (1900-1977); fr. Joachim M. Rossetto (1880-1935), er gehörte mit dem Tiroler fr. Arimath M. Gratl zu den ersten Missionaren des Ordens in Afrika; fr. James M. Keane (1901-1975), der Gründer des Ordens in Irland und Australien; und die jung verstorbenen fr. Venanzio M. Quadri (1916-1937) und fr. Joachim M. Stevan (1921-1949), für die beide der Seligsprechungsprozess eingeleitet ist.

 

Außerdem verdienen eine besondere Erwähnung fr. Johannes M. Vanucci (+ 1984), Mystiker und Schriftsteller, und der Dichter fr. David M. Turoldo (+ 1992).