SELIGE DES ORDENS
JAKOB DE VILLA JOACHIM VON SIENA ELISABETH PICENARDI BENINCASA FRANZ VON SIENA JAKOB PHILIPP BERTONI THOMAS VON ORVIETO FERDINANDO M. BACCILIERI UBALD VON BORGO SANSEPOLCRO ANDREAS VON BORGO SANSEPOLCRO JOHANNA VON FLORENZ BONAVENTURA VON FORLI MARIA GUADALUPE JOHANNES ANGELUS PORRO HIERONYMUS VON S. ANGELO IN VADO BONAVENTURA VON PISTOlA
15. Januar

Jakob wurde um 1270 in Città della
Pieve geboren. Da er Jura studiert hatte, wurde er zum Anwalt der Armen und
Unterdrückten.
Mit seinem Einkommen unterstützte er die Kirche und das Hospiz vor dem Stadttor, in dem Arme und Kranke Aufnahme fanden.
Jakob pflegte diese auch mit großer Liebe. Da er die Rechte der Armen verteidigte, zog er sich den Haß eines mächtigen Mannes zu, der ihn 1304 meuchlings ermorden ließ. Von den Bürgern der Stadt wurde er der Almosengeber genannt. Pius VII. bestätigte 1806 seine Verehrung.
Der Sachvertreter der Armen und Unterdrückten.
Jakobus wurde um 1270 als Sohn des Antonius de Villa und von Mestiola in Città delle Pieve in Umbrien geboren. Von Jugend auf war er fromm und gottesfürchtig. Er besuchte oft die Kirche der Serviten, die neben seinem Elternhaus stand, und wohnte gern den Gottesdiensten bei. Wie man aus einigen Hinweisen schießen kann, studierte er in Siena Literatur und Recht, so da8 er bald beide Fächer glänzend absolvierte.
Schon
damals nahm er sich der Armen und Kranken an. Er wurde zum Sachverwalter der
Waisen, Witwen und Bedürftigen und scheute keine Mühe und keine Ausgabe. Später,
als er sich dem Herrn und seinen Geboten enger angeschlossen hatte, beschloß
er, alle seine Güter den Armen zu geben, wahrend er selbst sich ganz in den
Dienst der Kranken Stellite. Beim Bericht über dieses einzigartige Liebeszeugnis
des Jakobus zögert der Verfasser seiner Lebensbeschreibung nicht zu sehreiben,
was wir in vielen Heiligenleben finden können: "Wahrend der heiligen Me8feier
horte Jakobus einmal die Worte des Herrn:
,Wenn jemand zu mir kommt und seinen
Vater, seine Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Sehwestern und dazu noch sein
eigenes Leben nicht haß , ... nicht auf alles verzichtet, was er besitzt, so
kann er nicht mein Jünger sein.' Wie durch gottliehen Anruf wurde er bewogen,
alles zu verlassen und sich in den Dienst Gottes zu stellen." Obwohl dieser
Bericht ein hagiographischer Gemeinplatz ist und daher keine geschichtliche
Bedeutung hat, weist er doch darauf hin, daß der selige Jakobus damals schon im
Rufe der Heiligkeit stand.
Mit seinem Einkommen erneuerte er die Kirche und das Hospiz außerhalb des Tores Veeciani. Er nahm die ärmsten Bürger in das Hospiz auf und pflegte sie mit bewundernswerter Liebe: Er gab ihnen Nahrung, heilte ihre Wunden und bot ihnen selbst die niedrigsten Dienstleistungen an.
Als ein mächtiger Mann die Güter des Hospizes bösartig missbräuchte, verteidigte Jakobus die Rechte der Armen beim römischen Gerichtshof und gewann den Prozeß.
Als Jakobus sich in Chiusi aufhielt, lud der Usurpator ihn mit schmeichelnden Worten zu sich ein, angeblich um den Streit zu beenden; doch als er zurückkehrte, ließ er ihn durch einen gedungenen Morde umbringen. So erlitt Jakobus, der Verteidiger der Armen und Unterdrückten, 1304 den Tod und bekräftigte durch sein Blut das Zeugnis der Gerechtigkeit und Liebe.
Einige Briefe und Dokumente, wie auch alte Abbildungen des seligen Jakobus scheinen zu bezeugen, da8 der Mann Gottes nicht nur Drittordensmitglied unseres Ordens war, sondern als solches auch bei den Minoriten und den Oblaten des Hospizes S. Maria a Scala zu Siena eingetragen war, was zu jener Zeit nicht selten geschah.
1806 bestätigte die Ritenkongregation die Verehrung des seligen Jakobus. 1846 erlaubte Pius IX. dem ganzen Orden die Feier der Messe und des Offiziurns des seligen Jakobus.
SELIGER JOACHIM VON SIENA ORDENSBRUDER
3. Februar


Joachim wurde um 1258 in Siena geboren. Mit 13 Jahren wurde er vom hl. Philippus in den Orden aufgenommen. Er lebte in den K1östern von Siena und Arezzo und war ein großer Verehrer der Gottesmutter sowie ein Beispiel an Demut und Nächstenliebe.
Seine Nächstenliebe ging so weit, daß er vom Hern die Gnade erhielt, die Fallsucht eines Mannes auf sich zu nehmen, da er ihn durch Worte nicht trosten konnte. Er starb 1305. Paulus V. gewährte 1609 dem Orden die Feier der Messe und des Offiziums des sel. Joachim.
Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Joachim wurde 1258 in Siena geboren. Bei der Taufe erhielt er den Namen Chiaromonte. Schon als Kind zeigte er eine zärtliche Verehrung zur Mutter Christi. Mit vierzehn Jahren bat er um das Ordenskleid der Diener Mariens. Vom heiligen Philippus Benitius, der damals Ordensgeneral war, wurde er in den Orden aufgenommen und dem Kloster in Siena zugewiesen, das durch die Observanz und Heiligkeit einiger Mitbrüder blühte. Es lebten nämlich dort der selige Franz von Siena und der-heilige Peregrin Laziosi.
Chiaramonte nahm zu Ehren der Muttergottes den Namen ihres Vaters Joachim an Gleich zu Beginn leuchteten in ihm jene Tugenden auf, die das Leben der Diener besonders zieren: Demut, Gehorsam, Nächstenliebe. Von sich aus bemühte er sich um die niedrigsten Dienstleistungen; den Gehorsam schatzte er so sehr, daß er ihn als die Nahrung seiner Seele betrachtete; den Mitbrüdern, besonders den Kranken, erwies er jeden Liebesdienst.
Wie groß seine Nächstenliebe war, zeigte sich, als der heiligen Philippus ihn in das Kloster von Arezzo versetzte. Als er hier einen epileptischen Mann nicht zur Geduld bewegen konnte, erbat und erhielt er vom Her die Gnade, das Leiden auf sich nehmen zu dürfen, das er bis zu seinem Lebensende trug. Kurz danach wurde Joachim von einer anderen schweren Krankheit befallen: Gewisse Teile seines Leibes wurden von Geschwüren bedeckt, die das Fleisch und selbst die Knochen zerfraßen. Der Mann Gottes ertrug diese Krankheit mit Gleichmut und er, der für die Bedürfnisse der anderen inständig zu beten pflegte, wollte Gott nie für sich selber bitten.
Der Verfasser des Lebens und der Legenda des seligen Joachim beschreibt mit folgenden Worten den frommen Mitbruder, der eifrig das Gebet pflegte und sich der Betrachtung hingab, der ein sanftmütiges Wesen hatte und eine große Liebe zu allen Geschöpfen, der allen unermüdlich mit seiner Hilfe beistand: "Seine Kontemplation war so tief, daß er manchmal mit erhobenen Augen aussah, als ob er schon im Himmel weile, ohne seine Umgebung zu bemerken oder, angesprochen, nichts vernahm. Ihm gehorchten auch die Vogel und ließen sich ohne weiteres von ihm fangen; und wenn er sie wegfliegen ließ, lobte er den Schöpfer aller Dinge. Niemand sah ihn jemals müßig." Obwohl diese Worte Gemeinplätze sind und einige hagiographische Ausschmückungen enthalten, so scheinen sie doch das wahre Wesen Joachims zu schildern.
33 Jahre lang hatte er seinen Mitbrüdern demütig gedient. 1m Jahre 1305 kündete er ihnen am Gründonnerstag seinen Tod für den nächsten Tag an. Zur Bezeugung seiner Liebe trank er mit seinen Gefährten ein wenig Wein. Am Karfreitag wollte er mit den hl. Sakramenten versehen werden. Wahrend die Mitbrüder die Leidensgeschichte sangen, erzählt der Verfasser, gab er bei den Worten "da neigte er sein Haupt" seinen Geist auf. So kehrte Joachim heim zum Herrn.
Der Leib des seligen Joachim befindet sich in der Basilika San Clemente ai Servi in Siena. Viel Volk besucht sein Grab und es ist bis heute Brauch, die Neugeborenen dorthin zu bringen, um sie seinem Schutz anzuvertrauen. 1809 erlaubte Papst Paul unserem Orden die Feier der Messe und des Offiziums des seligen Joachim.
SELIGE ELISABETH PICENARDI JUNGFRAU UNSERES ORDENS
19. Februar

Elisabeth wurde wahrscheinlich um 1428 in Cremona geboren Da sie in der Nähe unserer St.-Barnabas-Kirche wohnte, begegnete sie oft den Mitbrüdern unseres Ordens und nahm auch dessen Kleid an.
Ihre Keuschheit, ihre Liebe zur Eucharistie und zur Mutter Gottes zeichneten sie besonders aus. Sie starb 1468. Pius VII. bestätigte 1804 ihre Verehrung.
Aus der Legenda der seligen Elisabeth Picenardi.
Sie war eine treue Vermittlerin zur seligen Gottesmutter.
Elisabeth
wurde 1428 in Cremona geboren. In Mantua erzogen, hatte sie schon als Kind eine
so grofie Verehrung zur seligen Jungfrau Maria, dafi sie das Kleid der
Servitinnen trug und ihr Leben lang die Keuschheit bewahrte, obwohl ihr Vater,
Leonhardus, der damals Verwalter des Markgrafen Gonzaga war, mehrmals
versuchte, sie mit vornehmen Magnaten zu verheiraten.
Von Jugend an trug die Jungfrau einen vier Finger breiten Bußgürtel aus Eisen bis zu ihrem Lebensende um den Leib. Täglich betete sie das Römische Brevier und empfing oft die heilige Kommunion aus den Händen unseres Mitbruders Barnabas von Mantua, der ihr täglich die Beichte abnahm. Beim Empfang der heiligen Sakramente löste sie sich fast in Traänen auf.
Ihr Leib wurde durch viele Krankheiten geprüft, besonders nach dem Tod ihres Vaters, als sie zu ihrer Schwester Orsina zog, welche die Frau des vornehmen Bartholomäus de Gorno war. Hier blieb sie bis zu ihrem Lebensende und lebte in einer eigenen Klause, die sich in der Gegend von Cigni befand und nicht weit von unserer Kirche St. Barnabas entfernt war. Die Leute strömten zu ihr wie zu einem Orakel und betrachteten sie als eine treue Vermittlerin zur seligen Gottesmutter. Sie hatte die prophetische Gabe und sagte Tag und Stunde ihres Heimganges voraus. Als dieser herannahte, wurde sie neun Tage lang von Kolik schmerzen geplagt. Dabei dankte sie unablässig Gott und der seligen Jungfrau, weil sie mit der Blume der bewahrten Jungfraulichkeit sterben durfte und weil ihr die Mutter der Gnaden niemals etwas versagt hatte, um was immer sie auch gebeten haben mochte.
Ais die Stunde ihres Heimganges aus diesem Leben kam, schien es, als ob sie mit ganzer Aufmerksamkeit einer göttlichen Melodie lauschen würde; und auch die starken Schmerzen schienen sie nicht mehr daran hindern zu können, mit frohem und heiterem Gesicht aufmerksam dreinzublicken, als ob sie unseren Herrn Jesus Christus und die gütige Mutter neben sich stehen sähe. Sie starb am Freitag, den 19. Februar 1468. So trug sie mit dem gekreuzigten Christus Jesus mannhaft ihre Leiden und schied zusammen mit Ihm aus dem Leben.
Sie wachte in Gebet und Buße und erwartete den Herrn.
Elisabeth wurde wahrscheinlich 1428 in Cremona geboren. Ihre Eltern waren Leonardo Picenardi und Paula Nuvoloni. Bald nach ihrer Geburt zog der Vater mit seiner Familie nach Mantua, um seine Stellung als Verwalter des Grafen Gonzaga anzutreten. So wurde Elisabeth in dieser Stadt erzogen. Da sie in der Nahe der St.-Barnabas-Kirche wohnte, welche von den Dienern Mariens der Observanz betreut wurde, bot sich ihr oft die Gelegenheit, den Mitbrüdern unseres Ordens zu begegnen. Die Bildung der besonderen Spiritualität des Mädchens wurde dadurch ohne Zweifel beeinflußt. Ais ihr Vater sie mit einem Vornehmen der Stadt vermählen wollte, weigerte sich Elisabeth beharrlich zu heiraten, da sie Jungfrau bleiben wollte. Mit 20 Jahren weihte sie sich Gott und zog das Kleid der Mantellatinnen an. Zunächst lebte sie im väterlichen Haus nach Art der Schwestern. Nach dem Tod des Vaters zog sie zu ihrer Schwester, die mit dem adeligen Bartholomäus von Gorno verheiratet war. In diesem Hause, das nicht weit von der Kirche der Diener entfernt war, lebte sie bis zu ihrem Tode in einer besonderen Zelle.
In Elisabeth leuchteten besonders die Liebe zur allerseligsten Jungfrau, die Tugend der Keuschheit, der Bußeifer, der Gebetsgeist und die Liebe zur Eucharistie.
Sie hatte sich ganz der Mutter Christi geweiht und wollte wie sie für immer Jungfrau bleiben. Die Thgend der Keuschheit liebte sie so sehr, daß sie noch im letzten Todeskampfe der seligen Jungfrau und dem Herrn von Herzen dankte, daß sie ihr gewährt hatten, die Blume der Jungfräulichkeit zu bewahren.
Obwohl sie an Krankheiten litt, kasteite sie ihren Leib in strenger Weise und trug ständig einen Bußgürtel aus Eisen. Wachsam im Gebet, wartete sie auf Christus, den Bräutigam. Um Gott zu loben und für das Heil der Menschen zu flehen, betete sie das Römische Brevier, wie es die Mendikantenbrüder verbreitet hatten.
Dem Brauch der damaligen Zeit entgegen, stärkte sie sich oft durch den Empfang der hl. Eucharistie, die sie aus den Händen unseres Mitbruders Barnabas von Mantua empfing. Gegen Ende ihres Lebens empfing sie auch täglich das Sakrament der Buße.
Ais sich der Ruf ihrer Heiligkeit verbreitete, strömten die Bürger herbei wie zu einem Orakel, um sich Rat zu holen. Da sie ihnen auf Fürbitte der Gnadenmutter viele Gunsterweise des Himmels erwirkte, betrachtete man sie als Vermittlerin der Mutter Gottes.
Viele Jungfrauen folgten ihrem Beispiel und ihrem Leben und bildeten später den regulären Dritten Orden. Da sie die Gabe der Prophetie besaß, sagte sie Tag und Stunde ihres Hinscheidens voraus. Der Verfasser der Legenda berichtet, daß sie vor ihrem Heimgang zum Herrn furchtbare Leibschmerzen hatte, durch den Anblick Jesu und Seiner Mutter jedoch und durch das Horen eines himmlischen Gesanges Erleichterung zu finden schien.
Sie starb am 19. Februar 1468.Ihrbe Liebe zu unserem Orden zeigte sie unter anderem die den Mitbrüdern des Konventes von Sto Barnabas in ihrem Testament, ein Jahr vor ihrem Tode, das Brevier, in dem sie Gottes Lob gefeiert hatte, und dreihundert Dukaten vermachte.
Ihr Leib wurde in der Kirche von St. Barnabas ehrenvoll beigesetzt. Nach Aufgabe des Konventes überführte man diesen in das Dorf Tor de Picenardi im Gebiet von Cremona. Pius V. gewahrte 1804 dem gesamten Orden die Feier der heiligen Messe und des Offiziums der Seligen.
Oration Herr, die selige Elisabeth erfreute sich auf ihrer irdischen Pilgerschaft des besonderen Wohlgefallens der Mutter deines Sohnes. Nun, da sie ihre himmlische Wohnstatt gefunden hat, erbitte sie uns deine Gnade und deinen Schutz. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
SELIGER BENINCASA ORDENSBRUDER
11. Mai


Benincasa wurde um 1375 in Monte Pulciano geboren. Noch jung an Jahren, trat er in den Orden der Diener Mariens ein, in welchem er ein Leben in Einsamkeit und Buße führte.
Er starb um das Jahr 1426.
Seine Reliquien sind in der Pfarrkirche in Montichielli aufbewahrt. Pius VIII. bestätigte 1829 seine Verehrung.
Um einen Vorgeschmack von Jesus, dem Herm, zu erhalten, zog er sich in die Einsamkeit zurück.
Benincasa wurde um 1375 sehr wahrscheinlich in Montepulciano geboren. Er war noch jung, als er das Kleid der Diener Mariens nahm. Mit 25 Jahren zog er sich in eine Hohle auf dem Berg Amiata bei Siena zurück, in der Nahe des Ortes, wo nach der Überlieferung dergl. Philipp sich eine Zeitlang aufhielt und Bu8e tat.
Benincasa gehört zu jenen Männern, die sich durch eine besondere Liebe zum Schweigen und zur Einsamkeit ausgezeichnet haben und sich der Kontemplation widmeten, wie der Heilige Geist sie im Orden der Diener Mariens nicht selten erweckt hat. Obwohl sie ein Leben der Einsamkeit führten, blieben sie doch dem Orden durch die Bande der Brüderlichkeit und der Religion eng verbunden.
Frater Michael Poccianti, der im 16. Jahrhundert eine Ordenschronik verfa8te, berichtet in seiner Lebensbeschreibung des seligen Benincasa unter anderem: "Wenn er vom Geist der Unkeuschheit geplagt wurde, betete er zu Gott nicht um Befreiung von der Bedrangnis, sondern daß er ihm Kraft schenken möge. Wenn er krank war, ließ er niemanden zu sich hinein, indem er rief: Ich wurde mit Feuer belegt, damit der Rost entfernt wird.' - Wenn die Leute ihn besuchten und versuchten, ihm Almosen zu geben, wollte er diese nicht annehmen. Mit nur etwas Brot und Wasser zufrieden, sprach er: ,Unser Gegner wird leichter von denen besiegt, die nichts besitzen.' Jene, die ihn mit dem Lebensnotwendigen versorgten, beschenkte er mit Dingen, die er selber hergestellt hatte."
Auch ohne Wiedergabe des besonderen und blumenreichen Stils des Hagiographen kann man schon in diesen Worten ein lebendiges Bild des Mannes sehen, der in der Einsamkeit lebt, sich dem Gebet und der Buße widmet und die karge Nahrung durch eigener Hände Arbeit erwirbt. Mit 50 Jahren kehrte Benincasa 1426 glorreich ins Himmelreich ein. Sein Leib wurde in der Kirche von St. Martin in Montichielli ehrenvoll beigesetzt, nicht weit von dem Orte entfernt, wo der Selige gelebt und wo das Volk zum Zeichen der Dankbarkeit ein Servitenkloster erbaut hat. Die Gebeine des seligen Benincasa werden heute nach vielen F3hrnissen in der Pfarrkirche St. Leonhard aufbewahrt und verehrt. 1829 bestätigt Pius VIII. seine Verehrung.
SELIGER FRANZ VON SIENA ORDENSPRIESTER
12. Mai
Franziskus wurde 1266 in Siena geboren. Mit 22 Jahren bewegte ihn die Liebe zur Muttergottes in den Orden der Diener Mariens einzutreten.
Nach der Priesterweihe zeichnete er sich durch große Nächstenliebe, durch Eifer in der Verkündigung des Wortes Gottes und als kluger Ratgeber aus. Er starb 1328. Sein Leib wurde in der Servitenkirche (Basilika San Clemente ai Servi) in Siena verehrt. Benedikt XIV. bestätigte seine Verehrung.
Ein guter Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes.
Der selige Franziskus wurde 1266 in Siena geboren. Arrighetti und Reynaldesca waren seine sehr frommen Eltern. Wir können bei Christophorus von Parma, seinem Gefährten und geistigen Vater lesen, da8 er schon als kleiner Junge die Kirchen besuchte und ein eifriger Hörer des Wortes Gottes war. Die Predigt des bekannten Predigers und Mitbruders Ambrosius Sansedoni über die Vorzüge eines Lebens in Schweigen und Gebet, wie er es selbst geführt hatte und das er mit großem Eifer pries, begeisterte Franziskus so sehr, da8 er beschloß, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Jedoch die Liebe zu seiner blinden Mutter, die er mit kindlicher Fürsorge pflegte, hielt ihn noch zurück.
Nach dem Tod seiner Mutter konnte der Zweiend zwanzigjährige nun seinen Wunsch erfüllen. Er meinte, eine innere Stimme zu hören, die ihm zuflüsterte: "Nicht der Umgang mit dem Menschen, sondern die Nachahmung der Laster ist sündhaft." Er wollte Gott dankbar sein, wenn er die Menschen durch heilsamen Zuspruch und das Beispiel seines Lebens auf den rechten Weg führen konnte. Da er sich schon als Knabe die selige Jungfrau als Mutter und besondere Herrin auserwählt hatte und diese mit seinem ganzen Wesen stets aufs höchste verehrte, bewarb er sich und wurde in den Orden der Diener Mariens aufgenommen.
Die
Tugenden, welche die Seele des Franziskus schmückten, als er noch in der Welt
lebte, wurden im brüderlichen Umgang gemehrt: Nächstenliebe zu allen, Liebe zur
Buße und Armut, Demut des Herzens, die Wahrung der Keuschheit, Geduld in
Widerwärtigkeiten und eine kindliche Andacht zur seligen Jungfrau, die er seine
Herrin nannte und oft unter zärtlichen Namen anrief.
Nach seiner Priesterweihe verehrte er mit außerordentlichem Eifer die heilige Eucharistie, bei deren Feier er mit solcher Freude und Heiterkeit erfüllt wurde, - und du meinen konntest, sagt sein Biograph, - daß er den menschgewordenen Christus ohne den sakramentalen Schleier in Seiner Herrlichkeit erblickte.
Es war sehr darauf bedacht, den Gläubigen das Wort Gottes auszulegen. Damit ihm dies besser gelang, widmete er sich mehr dem Gebet als den Büchern; denn er war überzeugt, daß nicht so sehr die Kenntnis, sondern die Salbung, nicht das Wissen, sondern das Gewissen, nicht das Papier, sondern die Liebe die Theologie lehren. Er verwaltete das Bu8sakrament, erteilte heilsame Ratschlage, schlichtete Zwistigkeiten, unterstützte die Bedürftigen und betreute die Kranken mit so viel Güte, daß Männer und Frauen jeden Alters und Standes sich oft an ihn wandten.
Am Feste der Himmelfahrt des Herrn spürte er mit 63 Jahren, daß die Stunde seines Scheidens nahte. Wie ein Reisender, der sich auf seine Abreise vorbereitet, brachte er alle seine Sachen in Ordnung, wie Bücher und Gebrauchsgegenstünde, und besuchte und segnete seine geistigen Kinder. Am Vortag der Himmelfahrt wollte er zum Zeichen der Brüderlichkeit und des Abschiedes an der gemeinsamen Mahlzeit teilnehmen.
Am Himmelfahrtstag - so erzählt der Mitbruder Christophers von Parma - reinigte er seine Seele durch das Sakrament der Bu8e. Hernach feierte er, schon ganz entkräftet, das Hochamt und machte er sich dann mit Erlaubnis des Priors auf den Weg in das Dorf Prisciano, nahe bei Siena, wo er predigen wollte.
Derselbe Biograph scheint Sinn und Charakter des ganzen Lebens des seligen Franziskus zusammenfassen zu wollen, indem er den unterwegs Sterbenden in seinem Gebetseifer zur seligen Jungfrau beschreibt: "Es begegnet ihm eine unbekannte Frau, die vom Dorf her mit einem Rosenstrauß an ihn herantritt und sagt: Bruder Franz, nimm diese Rosen anl.' Der Diener Gottes nimmt dieselben gern aus ihren Händen an und bringt sie mit noch restlicher Kraft der seligen Jungfrau, die in einem dortigen Bildstock abgebildet war. Er begann, den Gruß des Engels zu beten, und sank dann langsam mit dem rechten Knie, dann mit der rechten Seite und dem Arm zu Boden. So empfahl sich der Jungfrauliche und bald Sterbende der Jungfrau Maria und bot sich ihr als Blume und Lilie dar."
Schon halbtot wurde Franziskus in den Konvent zurückgebracht, wo er in Gegenwart der Mitbrüder am 26. Mai 1328 seine Seele aushauchte. Sein Leib wurde in der Basilika San Clemente ai Servi ehrenvoll beigesetzt.
Benedikt XIV. erlaubte und bestätigte 1743 seine Verehrung.
Oration Herr, unser Gott, gib uns jene Frömmigkeit und Milde, mit der der selige Franz die Mutter deines Sohnes innig verehrte und deinem Volk den Weg zu dir gewiesen hat. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
ORDENSPRIESTER
30. Mai

Der Selige wurde 1454 in Celle di Monte Chiaro der Diözese Faenza geboren. Auf Grund eines Gelübdes seiner Eltem wurde er mit neun Jahren dem Orden der Diener Mariens anvertraut. Er zeichnete sich durch Gebetsgeist, Bußeifer, Liebe zur Hl. Schrift und den Schriften der Väter aus.
Nach seiner Priesterweihe erwies er sich bei der Feier der heiligen Geheimnisse als frornmer Priester und als großer Förderer der Liturgie. Er starb 1483.
Sein Leib wird in der Kathedrale von Faenza aufbewahrt. Clemens XIII. bestätigte 1761 seine Verehrung.
Aus dem Leben des seligen Jakobus Philippus nach Nikolaus von Burgo.
Er widmete sich allen Eifers der Überlieferung und der Heiligen Schrift.
Jakobus Philippus wurde von armen
Eltern in Faenza geboren. Sein Vater hier Musselins de Cella und seine Mutter
Dominica. Vor seinem Eintritt in den Orden nannte er sich Andreas. Nachdem er
zwei Jahre an Epilepsie litt, gelobte der Vater, ihn, wenn er genesen sollte,
dem Ordens leben zu weihen. Andreas besuchte schon als Kind die Gotteshauser. An
den kindlichen Vergnügungen und Spielen fand er keine Freude. Er war von Natur
aus schüchtern und schweigsam und liebte in besonderer Weise die Einsamkeit.
Als er ungefähr neun Jahre alt war, erfüllte der Vater sein Gelübde und übergab ihn dem Orden der Diener Mariens. Hier erneuerte er seinen Geist und seinen Namen und nannte sich Jakobus Philippus. Von Anfang an zeichnete er sich durch Gehorsam und Beobachtung der Vorschriften aus. 1m erwachsenen Alter übte er sich oft im Fasten und Wachen. Das Studium der Überlieferung und der Heiligen Schrift betrieb er mit großem Eifer. Wenn er die Taten der Vater oder über Beispiele von Keuschheit und Observanz heiliger Männer las, lebte er sichtlich auf. Schon von Kindesbeinen an eignete er sich soviel Literatur an, daß er die christlichen Schriften und die bewahrten Lateiner leicht und richtig verstehen konnte. Sein besonderes Interesse weckten die Riten, Zeremonien und Gepflogenheiten der kirchlichen Funktionen, denen er sich mit größter Hingabe widmete.
Bei der Erfüllung seiner übrigen Aufgaben erwarb er sich das Wohlwollen aller Mitbrüder. Da er von Natur aus freundlich und sanftmütig war, erfüllte er gerne die ehrbaren Wünsche der anderen. Nie hat man ihn zornig oder getrübten Gemütes gesehen. Die üblen Nachreden der anderen, soweit es welche gab, ertrug er mit größtem Gleichmut. Er selbst sprach niemals schlecht über irgendeinen. Er war immer schon sehr wortkarg und aus seinem Munde kamen keine Zoten oder müßigen Worte. Wenn er etwas Ungehöriges auffing, umwölkte sich sein Gesicht, und nach einer kurzen Rüge entfernte er sich und strafte so die Irrenden.
Nach seiner Priesterweihe war er einmalig in seiner Andacht, Ehrfurcht und Rührung bei der Darbringung des Opfers und beim Betrachten des Geheimnisses des Kreuzes, wenn er die Hostie in Händen hielt. Er war ein großer Feind des Müßiggangs und nannte ihn die Hefe aller Übel. Das Chorgebet sang und rezitierte er gemeinsam mit den anderen Mitbrüdern, sonst verbrachte er die Zeit in seiner Zelle mit Beten und Lesen. Zur Erleichterung seines Geistes hatte er sich angewohnt, zwischendurch zu weben oder Gegenstande zu formen, so daß er jederzeit beschäftigt war. Für gewöhnlich ging er allein spazieren, indem er betrachtend und gesenkten Hauptes einherschritt. Immer wieder las er mit Begeisterung die Heiligen Schriften und die Bücher des heiligen Hieronymus, besonders das Büchlein über seinen Heimgang. Mit der Zeit betrachtete er nur noch himmlische Dinge und seine Nahrung bestand mehr aus geistiger Tugend als aus körperlicher Speise, so daß er nur noch einmal am Tage aß und sich mit karger und einfacher Nahrung begnügte. Auf Mahnung des Oberen jedoch aß er, was für die Allgemeinheit vorbereitet war. Am Karfreitag aß er nur Gemüse und legte sich einen Bußgürtel an. Nichts war ihm mehr zuwider, als wenn er gelobt wurde. Alle hielten ihn für gut und aufrichtig, doch achteten ihn die Menschen bei weitem nicht so wie Gott. Wie der Heiland wollte er unter den Sterblichen verworfen und verachtet sein und im Innersten seines Herzens begehrte er nichts mehr, als seinem Gott und Vater um jeden Preis zu gefallen und den Spuren des Erlösers zu folgen.
Gegen Ende seiner Tage litt er an schlechter Gesundheit, die ihm mehr im Gesicht geschrieben stand, als daß er sich durch Worte äußerte. Wenn man ihn fragte, wie es ihm gehe, war die stete Antwort: "Gut, so wie es Gott gefallt." AIs es zum Sterben kam, fand sich in diesem Menschen weder Ungeduld noch Klage, wie in allen übrigen Dingen. Wahrend seiner Krankheit legte er sich nicht nieder, sondern war stets auf den Beinen. Am Vortag seines Heimgangs sang er die Matutin gemein sam mit den anderen Mitbrüdern und am Morgen feierte er als Zweiter das heilige Opfer.
Am Nachmittag vor seinem Tode begab er sich zu jedem einzelnen Mitbruder. Er bat sie um Vergebung und um ihr Gebet für sein Seelenheil beim Opfer am nächsten Morgen, da er seiner Meinung nach von den Banden seines Körpers befreit werden sollte. Am Sonntag, dem ß. Juni, dem Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit, starb der heilig mäßige Mann mit 29 Jahren um drei Uhr nachmittags und kehrte als Sieger in die himmlische Heimat ein. Er war von großer Gestalt, doch so mager, daß er nur aus Hallt und Knochen zu bestehen schien; sein Antlitz war schmal und lang, seine Nase weit hervorstehend, seine Augen eingefallen, sein Hals war gestreckt, seine Finger lang und er war auffallend blaß.
Oration Gott, du hast den seligen Jakob Philipp mit der Fülle der Gelehrsamkeit ausgestattet und ihm bei der Feier der heiligen Geheimnisse die Glut deines Geistes geschenkt. Laß uns allein nach dir, dem Quell der wahren Weisheit, dürsten und dich, den Urheber der göttlichen Liebe, suchen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
SELIGER THOMAS VON ORVIETO ORDENSPRIESTER
27. Juni

Thomas wurde Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts in Orvieto in Umbrien geboren. Angetrieben vom Verlangen nach dem Ewigen und von der Liebe zur seligen Jungfrau, trat er in den Orden der Mariendiener ein.
Wegen seines ausgepragten Verlangens allen zu dienen, bat er, einfacher Bruder bleiben zu dürfen. Als solcher erfüllte er viele Jahre die Aufgabe des Sammelbruders, wobei er sich durch seine Liebe und Demut auszeichnete.
Auf sein Gebet hin erlangte er von Gott mehrere wunderbare Erhörungen. Er starb 1343. 1768 bestätigte Papst Clemens XIll. seine Verehrung.

Demütig beim Betteln, freudig beim Geben.
Der selige Thomas wurde zwischen dem Ende des dreizehnten und dem Beginn des vierzehnten Jahrhunderts zu Orvieto in Umbrien geboren. Um sicherer das himmlische Vaterland zu erreichen, dem alle seine Gedanken und Wünsche zustrebten, beschloß er, sich in einer Ordensfamilie gänzlich Gott zu weihen. Da er eine ganz besondere Liebe zur seligsten Jungfrau hatte, bat er um Aufnahme in den Orden der Diener Mariens.
Hellleuchteten in ihm die typischen Tugenden der Serviten, die als das Charisma unseres Ordens gelten: Demut, brüderliche Liebe, Geist des Dienens und Barmherzigkeit. Darauf verweisen auch die Ordens-Annalen (Annales O.S.M., I, P. 281, 2B) wenn sie berichten, daß Thomas unter die Zahl der Laienbrüder aufgenommen werden wollte, um desto besser der seligen Jungfrau und ihren Dienem zu dienen.
Viele Jahre ging er von Tür zu Tür als Sammelbruder. Dabei zeigte er eine außergewöhnliche Höflichkeit, Geduld und Liebe. Seine Vorliebe galt den Armen, an die er freudig nicht nur die Reste vom Tisch der Brüder, sonder oft auch seinen eigenen notwendigen Teil ausgab. Wie die alten Schriftsteller festhalten, zeigte Gott sein Wohlgefallen an dieser seiner demütigen Einfachheit, indem er auf seine Fürsprache einige Wunder geschehen ließ.
Die Bilder des seligen Thomas, darunter einige sehr alte und wertvolle, zeigen ihn mit dem Bettelsack und dem Zweig des Feigenbaumes in der Hand, weil er mitten im Winter einer Frau gesegneten Leibes eine Feige darbot, als sie ihn darum gebeten hatte.
Diese Darstellungen zeigen einerseits die aufmerksame Sorge des Seligen für jene, die zu ihm ihre Zuflucht nahmen, andererseits die Macht seiner Fürsprache, die Gott mit zahlreichen Wundem erhörte.
Der bescheidene Servit starb 1343 in Orvieto, wo sein Leib in der dortigen Servitenkirche bewahrt wird. Wegen der sich häufenden Wundertaten begannen die Leute von Orvieto ihn sehr bald eifrig zu verehren. Diese immerwährende Verehrung als Seliger wurde 1768 von Clemens XIII. bestätigt.
SELIGER FERDINANDO M. BACCILIERI, PRIESTER OSSM
1.Juli

Ferdinando Maria Baccilieri wurde am 14. Mai 1821 in Campodoso di Reno Finalese geboren. Von klein auf wollte er Missionar werden, um die Frohbotschaft in den Missionsländern zu verkünden, doch aus Gesundheitsgründen mußte er in Italien bleiben und hier pastoral wirken. 1852 wurde er zum Pfarrer von Galeazza Pepoli ernannt, dessen Pfarrgemeinde er 41 Jahre lang mit großem Einsatz und pastoraler Selbsthingabe lenkte. Aufgrund seiner Marienverehrung wollte er als Tertiarbruder dem Servitenorden angehören.
Um einigen Anforderungen seiner Pfarre besser gerecht werden zu können, gründete er die Kongregation der Schwestem von Galeazza. Am 13. Juli 1893 verstarb er im Ruf der Heiligkeit. Sein Leib ruht in der Pfarrkirche von Galeazza Pepoli, wohin er am 1. Juli 1999 überführt worden war.
Johannes Paul II. sprach ihn am 3. Oktober 1999 selig.
Er lebte gerecht und sprach die Wahrheit.
Ferdinando Maria Baccilieri wurde am 14. Mai 1821 in Campodoso in der Pfarrei Reno Finalese im Herzogtum Modena geboren. Seine Eltern, Domenico Baccilieri und Leonilde Dalla Bona, waren wohlhabende Bauern und lebten mit Überzeugung ihre christliche Prinzipien, in denen sie auch Ferdinando und seine fünf Schwersten erzogen.
Nach der ersten Erziehung im väterlichen Haus wurde Ferdinando vom Vater ins Kolleg der Barnabiten in Bologna geschickt, um dort zu studieren, später dann zu den Jesuiten nach Ferrara. In diesen Jahren reifte in ihm die Berufung zum Priesteramt und in Folge zum Ordensleben und zur Mission. Dazu wurde er besonders auch durch den Kontakt zu den vorbildhaften Jesuitenlehrmeistern angeregt. 1m Oktober 1838 trat er in die Gesellschaft Jesu ein und wurde ins Noviziatshaus in Rom geschickt nahe der Kirche von Sant' Andrea al Quirinale. Aufgrund seiner schwachen Gesundheit mußte er jedoch diese seine erste Erfahrung des Ordenslebens unterbrechen, da er der harten Disziplin der Jesuiten nicht entsprechen konnte. Doch hinterließ diese Zeit tiefe Spuren in seinem geistlichen Leben, das von nun an durch strenge Regelmäßigkeit geprägt war.
Nach Reno Finalese zurückgekehrt, nahm Ferdinando wieder die philosophischen und theologischen Studien auf, zunächst in den Seminaren von Finale Emilia und Modena, schließlich in dem von Ferrara wo er am 4. Marz 1844 auch zum Priester geweiht wurde.
Er begann sogleich in der Seelsorge zu arbeiten und half dem Pfarrer von Reno Finalese. Von 1844 bis 1851 war er zudem Lehrer und geistlicher Begleiter im Seminar von Finale Emilia und ein geschatzter Missions- und Fastenprediger. In der Zwischenzeit erwarb er auf den Wunsch seines Vaters bin an der Universität von Bologna das Doktorat in Zivil- und Kirchenrecht. 1851 wurde er vorübergehend als geistlicher Verwalter nach Galeazza. geschickt, einer kleinen Pfarre in der Diözese Bologna, die ohne Pfarrer war und eine Zeit des moralischen und religiösen Verfalls durchmachte. Die dortigen Familien, hauptsachlich Bauern, Tagelöhner oder Handwerker aus der Umgebung, lebten meist unter harten wirtschaftlichen Umstanden.
Don Ferdinando nahm mit Eifer die moralische und religiöse Erneuerung in Angriff, ebenso stand er mit Rat und Hilfe allen zur Seite, besonders den Bedürftigen. Dank seiner überzeugenden und offenen Worte und seines einfachen und arbeitsamen Lebens, das ganz auf das moralische und materielle Wohlergehen seiner Pfarrfamilie ausgerichtet war, eroberte er bald das Herz aller Pfarrmitglieder, so daß diese inständig den Erzbischof von Bologna, Kard. Carlo Opizzoni, baten, Don Baccilieri möge doch in Galeazza bleiben. Der Kardinal kam diesem Wunsch nach und ermannte Don Ferdinando am 22. April1852 zum Pfarrer der Kirche zur HI. Maria in Galeazza. 41 Jahre lang, bis zu seinem Tod, hatte er dieses Amt inne, denn andere ehrenvollere Aufgaben, die seiner Bildung und seinen Fähigkeiten angemessener gewesen waren, hatte er immer abgelehnt.
Schon am Beginn seines pastoralen Wirkens hatte Bacciliere seine Pfarrei der schmerzhaften Jungfrau geweiht und eine Bruderschaft der Schmerzensmutter gegründet. Die Verehrung, die Ferdinando der schmerzhaften Jungfrau entgegen brachte, reichte bis in seine Kindheit zurück, als er mit seiner Familie nach Bologna kam, wo sie in der Nahe der Basilika Santa Maria dei Servi wohnten, in der diese Verehrung besonders gefördert worden war. An die Schmerzhafte wandte er sich immer mit innigem Vertrauen und vertraute sich ihr in den wichtigsten und schwierigsten Momenten seines Lebens an. Dem Servitenorden wollte er als Tertiär angehören, ebenso rief er in seiner Pfarre eine Bruderschaft des Drittordens ins Leben. Mit den Serviten selbst hatte er regelmäßige und brüderliche Kontakte, wie viele Briefe und andere Dokumente bezeugen. Ihre Spiritualität schatzte er sehr, besonders ihre Verehrung der Mutter des Herrn. In der Pfarrei führte er viele marianische Frömmigkeitsübungen der servitanischen Familie ein. Auf vielfältige Weise brachte er seine Marienverehrung auch in liturgischen Feiern zum Ausdruck und versuchte sie auch in den Herzen der Gläubigen zu festigen, indem er sie aufforderte, aus der Betrachtung der Schmerzen Mariens Kraft und Hilfe zu schöpfen, um die Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten des Lebens zu ertragen. Bei seinem Tode zögerte der Erzbischof von Bologna, Kard. Parocchi, nicht zu sagen, daß Baccilieri aus seiner Pfarrei von Galeazza einen vielbesuchten Wallfahrtsort gemacht habe.
Don Ferdinando war immer davon überzeugt, daß die Laien berufen sind, gemeinsam mit den Hirten für das Wachstum und die Heiligung der Kirche zu wirken. Deshalb förderte er ihre Mitarbeit durch die Gründung verschiedener Verbande. Diese worden zum Sauerteig des moralischen und religiösen Lebens der Pfarrei. Um die Fortdauer seines pastoralen Projektes zu sichern, gründete Baccilieri eine Kongregation von Serviten-Schwestern, denen er eine Regel gab, die nach der Regel der Serviten Klausurschwestern ausgerichtet war. Ihre Aufgabe war der Unterricht in der christlichen Lehre, die Erziehung armer Mädchen, die Sorge um die Kranken, die Hilfe für die Bedürftigen. Diese Kongregation, zunächst aus einer kleinen Gruppe von Tertiarsch western bestehend, die sich 1852 zum gemeinschaftlichen Leben zusammengefunden hatte, entwickelte sich Schritt für Schritt: sie wurde vom Erzbischof von Bologna und schließ1ich auch vom Apostolischen Stuhl anerkannt unter dem Namen der Kongregation der Schwestern Servitinnen von Galeazza und verbreitete sich in vielen Ländern.
Am Ende seines Lebens, nachdem er mit außerordentlichem Eifer seine gewöhnlichen pastoralen Pflichten erfüllt hatte, verstarb er am 13. Juli 1893, während er wie an jedem Morgen das Leiden unseres Herrn betrachtete.
Der Ruf seiner Heiligkeit nahm rasch zu und verbreitete sich von Tag zu Tag mehr, himmlische Erweise bestätigten ihn. Papst Johannes Paul II. erhob ihn am 3. Oktober 1999 zur Ehre der Altare. Sein Gedenktag wird am 1. Juli begangen, an dem
Tag, da im Jahre 1999 sein Leichnam in eine Kapelle der Pfarrkirche von Galeazza überführt worden war.
Oration Gott, im seligen Ferdinando Maria hast du uns ein leuchtendes Zeugnis eines Lebens nach dem Evangelium geschenkt. Laß auch uns nach seinem Beispiel den Spuren Christi folgen und in Liebe unseren Schwestern und Brüdern dienen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
SELIGER UBALD VON BORGO SANSEPOLCRO,
ORDENSPRIESTER
4 juli
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts geboren, trat Ubald in den Servitenorden ein. Er zeichnete sich durch die Heiligkeit seines Lebens und durch eifriges Wirken aus.
Eine innige Freundschaft verband ihn mit dem hl. Philipp. Als dieser im Todeskampf lag, eilte Ubald hinzu, woraufhin Philipp noch einmal kurz auflebte, um dann friedlich in seinen Armen zu entschlafen.
Ubald verstarb im Jahre 1315 auf dem Monte Senario.
Pius VII. bestätigte seine Verehrung 1821.
Ein heiligmülliges Leben zeichnete ihn aus.
Ubald wurde um die Mitte des
13. Jahrhunderts in Borgo Sepolcro in der Toskana geboren. "Von Kindheit an
liebte er das Ordensleben" (Paolo Attavanti, Mon. O.S.M. XI, p. 103). Er
studierte zuerst Philosophie und Literatur. Wegen seiner Liebe zur Gottesmutter
trat er dann dem Servitenorden bei und studierte Theologie.
In kurzer Zeit wurde Ubald, der von sehr schöner und großer Gestalt war, für einen "leuchtenden Spiegel der Jungfraulichkeit" gehalten. Ein heilig mäßiges Leben zeichnete ihn aus. Er war sehr arbeitsam und zeigte initiativen Geist. Nie schloß er Kompromisse mit einem bequemen Leben.
Seine Freundschaft mit dem heiligen Philipp Benizi, die von alten Quellen der Ordensgeschichte überliefert ist (Mon. O.S.M., XIV, p. 40-IV, p. 42 - 43), gibt seinem Lebensbild eine besondere Note. Es wird berichtet, daß Philipp in Todi in Agonie lag und schon seit drei Stunden das Bewußtsein verloren hatte. Bei der Ankunft des Bruders Ubald, der wunderbarerweise davon erfahren hatte, kam plötzlich wieder Leben in ihn und er umarmte den Bruder und Freund. Von seiner Anwesenheit gestärkt ging er dann in die himmlische Heimat hinüber.
Die letzten Lebensjahre dürfte der selige Ubald in Monte Senario verbracht haben. Jedenfalls starb er dort 1315 "miraculis cIarus" durch Wunder berühmt und wurde dort auch beigesetzt (Mon. O.S.M., XII, 51).1707 wurde neben dem Hochaltar in Monte Senario im Grabe der Heiligen-SiebenVater ein Leichnam von bemerkenswerter Große aufgefunden, der alten Berichten zufolge als der des seligen Ubald identifiziert wurde. 1821 wurde seine immerwährende Verehrung als Seliger von Pius VII. bestätigt. 1969 wurden die Reliquien des seligen Ubald in die Josefskapelle, der ehemaligen Begräbnisstätte der Heiligen-Sieben- Vater, übertragen, wo sie nun verehrt werden.
Oration Gott, von dir kommt die reine und heilige Liebe. Gewahre uns, deinen Diener (und Dienerinnen), auf die Fürsprache des seligen Ubald, daß wir sein Vorbild nachahmen und dich durch Heiligkeit des Leibes und durch Einmütigkeit des Geistes verherrlichen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
SELIGER ANDREAS VON BORGO SANSEPOLCRO, ORDENSPRIESTER
31. August
Von den Worten und vom Leben des hl.
Philipp Benizi begeistert, empfing Andreas 1278 im Kloster von Borgo Sansepolcro
das Ordenskleid.
Als Liebhaber der Buße und der Einsamkeit, zog er sich in eine Einsiedelei bei Borgo zurück. Viele andere Eremiten zog sein Beispiel an Sie schlossen sich dem Servitenorden an und stellten sich unter seine Leitung.
1315 starb er während des Gebetes. Pius VII. bestätigte 1806 seine Verehrung als Seliger.
Er zog sich in die Einsänket zurück.
Einige Dokumente lassen uns wissen, daR der selige Andreas, auch "Bruder Andreas der Einsiedler" genannt, zu Beginn des 14. Jahrhunderts im Kloster von Borgo Sansepolcro weilte. Über seinen Ordenseintritt berichtet das Chronicon des Poccianti: 1278 hielt der heilige Philipp Benizi wahrend des Generalskapitels in Borgo Sansepolcro eine Predigt über die Stelle des Evangeliums: "Wer von euch nicht auf alles verzichtet, was er besitzt, kann mein Jünger nicht sein" (Lk 14,33). Ein junger Mann unter den Zuhören war von den Worten des Heiligen so tief beeindruckt, daß er sogleich unter dem Einfluß des Geistes, aus Liebe zu Gott seine Eltern und sein Erbe verließ. Er bat um das Kleid der Serviten und nahm den Namen Andreas an, in Erinnerung des anderen Andreas, der Netze und Schiff zurückließ und Christus folgte.
Andreas
wurde ein treuer Diener der seligsten Jungfrau und ein vollkommener Schüler des
heiligen Philipp. Er verstand es, us en in Gott und für Gott geliebten
irdischen Dingen den wesentlichen Wert zu erfassen. Arm und streng gegen
sich selbst, war er zu allen hochherzig und gut. Mild, demütig, friedfertig
hatte er die volle Herrschaft über sich errungen. Unnachgiebig war er gegen
Müßiggang oder gegen unnötige Worte.
Beseelt
von tiefem Verlangen nach Einsamkeit und Buße zog er sich gerne in die
Einsiedelei in Cella Vallucola zurück, besonders, nachdem diese vom Bischof von
Citta di Castello 1295 dem Servitenkloster von Borgo einverleibt worden war.
Poccianti berichtet, daß Andreas dort zum Vikar ernannt wurde und einige
Eremiten der Gegend um sich vereinte, deren Vater und Führer er wurde. Durch
sein heiliges Leben und die Innigkeit seiner Worte gewann er viele Schüler,
darunter den seligen Bartholomäus von Borgo. Bei der apostolischen Tätigkeit
zeichnete er sich durch Klugheit und die Gabe des Rates aus. Ihm ist es zu
verdanken, wenn einige Kloster, darunter Alessandria und Asti, dem
Servitenorden angeschlossen wurden.
Um das Jahr 1315 übergab er Gott seine Seele in der Einsiedelei von Cella Vallucola. Alle beweinten ihn wie Sohne den Vater, Waisen den Vormund, Kranke den Arzt. Auf das Verlangen des Volkes hin wurde sein Leib von den Eremiten unter großem Zulauf der Bevölkerung in die Servitenkirche von Borgo Sansepolcro gebracht. Pius VII. bestatigte1806 die immerwährende Verehrung Andreas als Seliger.
Oration Gott, durch das anziehende Beispiel des seligen Andreas hast du viele Einsiedler in den Orden der diener Mariens berufen und sie durch die Verehrung der seligen Jungfrau und durch brüderliche Liebe geeint. Lass auch uns in dieser Gesinnung als Diener (und Dienerinne) Mariens einmütig wirken. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
SELIGE JOHANNA VON FLORENZ, JUNGFRAU
1. September

Johanna von Florenz lebte im ersten Jahrhundert des Bestehens unseres Ordens. Sie erhielt das Kleid der Mantellatinnen und weihte sich der seligen Jungfrau in einem keuschen und bußfertigen Leben.
Einige alte Bilder zeigen sie unter den bekanntesten Heiligen des Ordens.
Leo XII. bestätigte 1828 ihre Verehrung als Selige.
SELIGER BONAVENTURA VON FORLI, ORDENSPRIESTER
6. September

Bonaventura wurde um 1410 in Forli geboren. Nach seinem Eintritt in den Servitenorden widmete er sich dem Studium der Theologie und erlangte den Magistergrad. Als Prediger zeigte er großen Eifer in der Auslegung des Evangeliums.
Im Orden wurden ihm viele Ämter anvertraut, die er rnit großer Klugheit versah. Er führte ein bußfertiges und hartes Leben, liebte die Einsamkeit und forderte die reguläre Observanz.
Er starb 1492 in Udine. Pius X. sprach ihn 1911 selig.
Bewundernswert durch die Kraft des Wortes und das heilige Leben.
Bonaventura wurde um 1410 in Forli geboren und trat hier auch in den Servitenorden ein. Nach der Probezeit wurde er 1448 nach Venedig geschickt, wo er sechs Jahre lang Theologie studierte und den Ordensdoktorgrad ("Magisterium") erlangte. Es ist wahrscheinlich, daß er im Kloster in Venedig mit fra. Bartolomeo lebte, einem durch Heiligkeit ausgezeichneten Ordensmann, in dem die Liebe zum zurückgezogenen Leben ebenso hervorleuchtete, wie ein glühender Einsatz in der Verkündigung des Evangeliums.
Eifrig
übte Bonaventura das Predigeramt aus. Die Dokumente lassen uns seine unzähligen
Predigt Kurse verfolgen. Besonders zu Fastenpredigten wurde er oft in die
bedeutendsten Kirchen und Städte Italiens eingeladen. Er predigte u. a. in
Bologna, Venedig, Florenz, Brescia und Perugia. Viele Menschen strömten zu
seinen Predigten und nannten ihn einen "zweiten heiligen Paulus". Daß sein Wort
viele ergriff, bekehrte und sehr wirksam war, hing nicht zuletzt von der
Ausstrahlung seines heiligen Lebens ab.
Erwähnenswert ist hierbei ein Predigteinsatz im von der Pest befallenen Perugia. Er rief das Volk nicht nur zur Buße und innigem Flehen um Gottes Hilfe an, sondern führte es auch zu selbstlosem, aufopferndem Dienst bei den Armen und Kranken. 1m Orden übte Bonaventura eine nicht weniger segensreiche Tätigkeit aus. Auf sein Verwenden hin kamen die Konvente von Forlimpopoli und Clusone (Bergamo) zum Orden. 1482 soll er Generalprokurator des Ordens gewesen sein. Am 31. Mai des folgenden Jahres, würben er Prior von S. Marcello in Rom war, gewährte ihm Sixtus IV., sich mit sechs Gefährten in die Einsamkeit zurückzuziehen, in direkter Abhängigkeit vom Generalprior. Gleichzeitig erhielt er die Vollmacht, als apostolischer Prediger überall das Wort Gottes zu verkünden. Wir wissen nicht, ob und wohin sich der selige Bonaventura zurückgezogen hat. Einige spätere Dokumente lassen darauf schließen, daß er eine Zeitlang in Monte Senario weilte. Bald darauf aber finden wir Bonaventura wieder im Coenobitenleben, gedrängt von der Liebe oder vom Gehorsam. In kluger Weise leitete er die Provinz Romagna und Orderte die Regeltreue.
Der Generalprior Antonio Alabanti, der den Orden zu einer strengeren Lebensführung zurückführen wollte, bediente sich des Rates und der Tat des seligen Bonaventura. 1487 bemühte er sich, den Streit zwischen der Observanten-Kongregation und dem General beizulegen. 1m Jahre darauf wählte ihn das Kapitel der Observanten in Cremona zum Generalvikar, eine Wahl, die vom Generalkapitel in Bologna kurz danach gutgeheißen wurde.
Einige Ordensschriftsteller, die den seligen Bonaventura gut gekannt haben, beschreiben seine Liebe zur Buße und zur Einsamkeit. Filippo Albrizzi liefert uns folgende Nachricht: "Er war von kleiner Gestalt und zartem Körperbau, von durchschnittlicher Bildung. Ein Ordens man großer Heiligkeit, und er trug einen ungept1egten Bart (daher sein Übername "Barbeta"). Barfüßig in der Hitze des Sommers wie in der Strenge des Winters bei Frost und Eis. Niemals trug er Strümpfe, so daß man seine wunden und blutenden Füße sehen konnte. Seine Kleidung war recht arm, nie aß er Fleisch oder trank Wein. Sein Bett war auf dem Boden oder auf einem Brett. Er tat mit einem Worte alles, was notwendig ist, um den Leib in Zucht zu halten. Noch zu Lebzeiten erlangte er durch sein Gebet viele Wunder."
Fra Gasparino Borro, ein anderer Zeitgenosse, beschreibt in eleganten Versen die selben Dinge. 1491 hielt Bonaventura im Dom zu Udine die Fastenpredigten. Nun schon alt und erschöpft von der Lebensstrenge und den Mühsalen fühlte er sich nicht recht wohl. Gegen Ende der Fastenzeit, am Gründonnerstag, starb er.
Sein Leib wurde in der Serviten- Wallfahrtskirche verehrt. Ungefähr 16 Jahre später nahm der Statthalter Venedigs in Udine, Andrea Loredan, seine Zuflucht zur Fürsprache des seligen Bonaventura, um von einer schweren Krankheit geheilt zu werden. Nach wieder erlangter Gesundheit kehrte er 1509 in die Heimatstadt zurück und erhielt in seiner Dankbarkeit die Erlaubnis, die Reliquien des Seligen in die Servitenkirche in Venedig zu überfrieren.
1911 wurde seine Verehrung von Pius X., dem vormaligen Patriarchen von Venedig, als Seliger bestätigt. Nach verschiedenen Ereignissen kamen die Reliquien des Seligen 1971 wieder nach Udine zurück, wo sie in der Servitenbasilika verehrt werden.
Oration Herr, erweiche durch den Schmerz der Reue unsere Herzen und erleuchte uns durch das Leben deines seligen Dieners Bonaventura und durch seinen Eifer in der Verkündigung deines Evangeliums. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
SELIGE MARIA GUADALUPE, JUNGFRAU UND MÄRTYRERIN
3. Oktober

Schwester Maria Guadalupe wurde am 23. Februar 1881 in Albal in Valenza, Spanien, geboren. Am 11. Juni 1896 trat sie ins Klausurkloster der Servitinnen "Pie de la Cruz" in Valenza ein, wo sie am 19. Juni 1900 die ewige Profeß ablegte.
In Treue zu ihrer Ordensweihe richtete sie ihr Leben ganz nach der beständigen Betrachtung des Leidens Christi und der Schmerzen der Seligsten Jungfrau Maria aus.
1936 sah sie sich aufgrund des spanischen Bürgerkrieges gezwungen, gemeinsam mit ihren Mitschwestern das Kloster zu verlassen.
Sie fand Unterschlupf im Haus ihrer Schwester, doch in der Nacht auf den 2. Oktober wurde sie aufgespürt und umgebracht.
Ihrem Herrn treu bis in den Tod.
Maria Guadalupe Ricart Olmos wurde am 23. Februar 1881 in Albal (Valenza) geboren. Ihre frommen Eltern, Franceso Ricart und Maria Olmos, waren bescheidene Bauern. Bei der Taufe erhielt sie den Namen Maria Francesca. Ais sie vier Jahre alt war, verlor sie den Vater; trotzdem konnte sie eine sorglose Kindheit und Jugend verbringen, in der sie bereits jene wesentlichen Eigenschaften an den Tag legte, die ihren Charakter auch im Ordensleben prägen sollten: Gewandtheit, Lebhaftigkeit und Freude zur Initiative, gepaart mit der Fähigkeit zu Selbstkontrolle sowie einer ausgeprägten Neigung zu Gebet und Sammlung. Mit elf Jahren, als der Pfarrer, Don Vincenzo Pastor, bei der Erstkommunionfeier fragte, ob eines von den Erstkommunionkindern bereit wäre, sich Gott anzuvertrauen, um ganz ihm zu gehören, antwortete sie prompt: "Ich will es".
Und schon bald äußerte Maria Francesca ihren Willen, sich dem Herrn zu weihen. Ihre Mutter zeigte Verständnis dafür und unterstützte sie, auch ihre jüngeren Geschwister Antonio und Filomena, ihr älterer Bruder Giuseppe aber versuchte es hartnackig zu verhindern.
Am 11. Juni 1896 wurde Maria Francesca als Postulantin ins Klausurkloster der Servitinnen "Pie de la Cruz" in Valenza aufgenommen. Einem Unbekannten, der bei ihrem Eintritt gemeint hatte, sie wäre mit einem Vorwand an diesen Ort gelockt worden, antwortete sie überzeugt: "Ich weiß sehr wohl, was ich tue, denn Jesus ruft mich". Maria Francesca legte als Schwester Maria Guadalupe am 19. Juni 1900 die feierliche Profeß ab.
Im Kloster selbst hatte sie in Folge verschiedene Ämter inne: Wäscheschwester, Novizenmeisterin, Priorin. In ihrem Klausurleben gab es keine außergewöhnlichen Ereignisse, aber man bemerkt ihre absolute Einfachheit und Treue und ihr Bemühen, ihren Mitschwestern, besonders den jüngsten von ihnen, die Werte des kontemplativen Lebens zu vermitteln: die volle Beobachtung der Regel, die Pflege des "göttlichen Lobgesangs", Bereitschaft und Liebe, Bußgeist. Der servitanischen Spiritualität hing sie zutiefst an und so richtete sie ihr Leben auf die regelmäßige Betrachtung des Leidens Christi und der Schmerzen der seligen Jungfrau aus.
In den ersten Jahren des politischen Umbruchs, der zum spanischen Bürgerkrieg führte, zeigte sie ihre Bereitschaft, ihr Leben für Christus hinzugeben, selbst durch das Blutzeugnis. Indem sie die Novizinnen zu immer größerem Eifer anspornte, sagte sie oft: " Bieten wir uns als Opfer an".
1936 wurde sie durch den Einbruch der sogenannten "roten" Miliz gezwungen, gemeinsam mit ihren Mitschwestern das Kloster zu verlassen. Eine Weile fand sie Unterschlupf im Haus naher Verwandter, später dann bei ihrer Schwester Filomena, wo sie ihr Leben auch weiterhin in Gebet und Arbeit für die Bekehrung Spaniens zum katholischen Glauben darbot.
Am 2. Oktober 1936 drangen gegen Mitternacht vier bewaffnete Milizen in das Haus der Schwester ein und durchsuchten es nach Waffen; aber alles, was sie fanden, war ein Skapulier der Lieben Frau vom Karmel im Zimmer von Maria Guadalupe. Auf die Frage: "Sind Sie Nonne?" antwortete sie unerschrocken:. "Ja, ich bin es; und wenn ich tausendmal zur Welt käme, tausendmal würde ich es wieder: Nonne im Kloster von Pie de la Cruz".
Sofort wurde sie von den Milizen ergriffen, die sie auf einen Kleinlastwagen schleppten und auf das offene Land hinausbrachten. Diejenigen, die bei der Verhaftung von Maria Guadalupe dabei waren, bezeugen, daß sie ihren Peinigern folgte und sagte, daß sie sich für die Wiederherstellung des christlichen Glaubens in Spanien hingeben würde und dafür, daß die Servitenpatres nach Spanien zurückkehren würden.
Auf der Fahrt redete Maria Guadalupe in aller Ruhe mit ihren Peinigern, sie versicherte ihnen, daß sie ihnen schon vergeben hatte, denn ihr würden sich jetzt die Pforten des Paradieses öffnen. Als sie in die Nahe des Turms "de Espiòca" kamen, wurde sie hingerichtet; alleiniger Grund war, daß sie "Ordensfrau und unverheiratet" war. Ihr Körper wurde aufs grausamste verstümmelt, wie die Fotos zeigen, die der Arzt aufnahm, der gerufen wurde, den Leichnam zu identifizieren.
Der Leib von Maria Guadalupe wurde in einem Massengrab des Friedhofs von Silla (Valenza) begraben. 1m Februar 1940, nach dem Ende des Bürgerkriegs, wurde er in einem eigenen Grab auf demselben Friedhof beigesetzt, einige Jahre später wurde er dann auf den klostereigenen Friedhof überführt. 1m Jahre 1959, als die Schwesterngemeinschaft von Valenza nach Mislata übersiedelte, wurden die sterblichen Überreste von Maria Guadalupe in einer feierlichen Zeremonie neben dem Hauptaltar der Kirche des neuen Klosters bestattet.
Der Seligsprechungsprozeß von Maria Guadalupe wurde am 20. Juni 1959 eröffnet. Mit seinem Dekret vom 28. Juni 1999 erkannte Papst Johannes Paul Ü. ihr Blutzeugnis an.
Oration
Vater, in deinen Händen liegt das Leben der Menschen. Nach dem weisen Plan
deiner Liebe nahm die selige Maria Guadalupe, eine treue Jüngerin und Dienerin
Mariens, am Leiden Christi teil. Laß uns das Geheimnis Christi immer tiefer
ergründen und auf dem schmalen Weg, der zum Leben führt, seinen Spuren folgen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.![]()
SELIGER JOHANNES ANGELUS PORRO, ORDENSPRIESTER
25. Oktober


Johannes Angelus Porro wurde 1451 im Fürstentum Mailand geboren. In den Orden eingetreten, lebte er zuerst im Kloster S. Maria in Mailand, später kam er nach Florenz.
Um sich gänzlich der Buße und Kontemplation zu widmen, zog er sich auf den Monte Senario zurück und blieb dort zwanzig Jahre. Schießlich kehrte er nach Mailand zurück, wo er sich besonders um die christliche Erziehung der Kinder annahm.
Er starb am 23. Oktober 1505.
Clemens XII. sprach ihn 1737 selig.
Vorbild eines in Gott versunkenen Lebens.
Johannes Angelus wurde 1451 im Herzogtum Mailand geboren. Seine Eltern waren Protasius Porro und Franceschina von Guanzate, überzeugte Christen. Seine Familie stammte aus Barlassina bei Seveso.
1468 nahm er das Ordenskleid der Serviten und verbrachte ungefähr fünf Jahre im Mailänder Konvent Sancta Maria. Einige Autoren zufolge soll er sich dann in die Einsamkeit begeben haben, in Cavacurta am Strande der Adda, um sich mehr der Kontemplation und Buße zu widmen.
1474 wurde er nach Florenz in das Erzkloster Santissima Annunziata versetzt. Er hatte besondere Sorge um ein regeltreues Leben. In dieser Zeit widmete er sich den Studien und wurde zum Priester geweiht.
In der Zwischenzeit überlegte Johannes Angelus erneut die Möglichkeit eines mehr beschaulichen Lebens. 1m Sommer 1477 stieg er zum Monte Senario hinauf, wo zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts das strenge Eremitenleben von einer Groppe eifriger Mönche wiederhergestellt worden war.
Der Aufenthalt auf dem heiligen
Berg hatte entscheidende Bedeutung auf das Leben und den geistigen Fortschritt
des seligen Johannes Angelus. Von dort kam ihm auch der Name zu: ,,Johannes vom
Berg". Voller Freude kehrte er in jene Einsamkeit zurück, so oft er sie wegen
seiner schwachen Gesundheit oder aus Gehorsam gegen die Oberen verlassen mußte.
So wurde er 1484 vom Prior Antonio Alabanti in das Kloster nach Florenz gerufen,
um die Aufgabe des Novizenmeisters zu übernehmen. Für diese dürfte er einige
"Nützliche Unterweisungen" verfaßt haben.
Drei Jahre später wurde Antonio Alabanti Generalprior und wählte mit Zustimmung der Eremiten Johannes Angelus zum Rektor von Monte Senario. Er erfüllte seine Aufgabe mit aller Zuständigkeit und erleuchteter Weisheit. Da Alabanti seine Fähigkeit und seinen Ordensgeist schatzte, wendete er sich mehrmals an ihn betreffs der Leitung der Einsiedelei S. Maria in Chianti.
Nach
Alabantis Tod kehrte Johannes Angelus um 1495 nach Mailand zurück, wo er
anscheinend zum Prior des Klosters gewählt wurde. Auch im Wirbel einer Stadt wie
Mailand verstand er es, sich ein wenig von der so geliebten Atmosphäre des
zurückgezogenen Lebens zu bewahren. Wie sein Biograph, fra Filippo Ferrari,
erzählt, "bewohnte er eine etwas abseits gelegene Zelle". Auf diese Zeit geht
eine andere Seite seiner apostolischen Tätigkeit zurück: sein besonderes
Empfinden für die religiöse Unterweisung der Kinder. In einer Schrift des
Ippolito Porro lesen wir: "Alle Sonntage ging er, obwohl er Prior war, vor das
Kirchentor und in die umliegenden Straßen und suchte die Kinder zusammen, führte
sie in die Schule und lehrte sie die Glaubenslehre" (Mon. O.S.M., VÜI, p. 138).
Dasselbe beweist auch ein Hochrelief aus Marmor aus der Hälfte des sechzehnten
Jahrhunderts (zirka 40 Jahre nach seinem Tode), das den seligen Johannes Angelus
darstellt, wie er in der Kirche die Kinder im Glauben unterrichtet.
Am 23. Oktober 1505 starb der Selige eines heiligen Todes im Kloster zu Mailand. Beweint von den Mitbrüder und Gläubigen.
Im seligen Johannes Angelus finden wir das Bild und das Modell eines ganz auf Beschaulichkeit und Gotteskenntnis ausgerichteten Lebens, das im Orden zu jeder Zeitepoche Ausdrucksmöglichkeit fand. Der Selige hatte eine ganz besondere Liebe zum Gebet und zum Silentium. Er suchte stets nach größerer Nahe Gottes in einem tiefen Zwiegespräch, was ihn hartnackig zur Einsamkeit trieb. Doch nicht selten gewann die Liebe zu den Brüden die Oberhand. Dem Orden hing er von ganzen Herzen an und liebte die einzelnen Gemeinschaften, für die er stets große Sorge trug. Obwohl von zarter Konstitution, gelang es ihm, seinen Leib durch ständigen Verzicht zu beherrschen. Er hatte eine Vorliebe für die Armut und die Einfachheit des Lebens. Er war von zarter Liebe zur Gottesmutter beseelt. Ihr zu Ehren verfaßte er ein Gebet, das er täglich vor ihrem Bilde verrichtete.
1737 sprach ihn Papst Clemens XII. selig. Sein fast unwertester Leib wird in der Kirche San Carlo in Mailand verehrt. Nach altem, frommen Brauch werden die kranken Kinder zu seinem Grabe gebracht, um sie seiner Fürsprache anzuempfehlen.
Oration Im seligen Johannes Angelus Porro leuchtet wunderbar das Streben auf nach einemOrdensleben in Treue zur Regel und nach der rechten Verkündigung der christlichen Lehre. Herr, laß ihn unseren Fürsprecher sein, damit wir dir immer verbunden bleiben und so ein Leben führen nach den evangelischen Räten und im apostolischen Eifer. Darum Bitten wir durch Jesus Christus.
SELIGER HIERONYMUS
VON S. ANGELO IN VADO, ORDENSPRIESTER
10. Dezember

Hieronymus wurde Anfang des 15. Jahrhunderts in St. Angelo in Vado geboren. Er war noch ein Kind, als er in das dortige Kloster det Diener Mariens eintrat.
Eine Zeitlang blieb er demselben fern, um zu studieren.
Als er nach der Priesterweihe in das Heimatkloster zurückgekehrt war, zeichnete er sich hier durch seine Liebe zum Schweigen und zur Einsarnkeit, durch Kontemplationsgeist, die Gaben des Rates und der Klugheit aus. Er starb um 1468.
1775 genehmigte Pius VI. seine Verehrung.
Die Weisheit ruht im Herzen des Klugen.
Hieronymus
wurde Anfang des 15. Jahrhunderts in St. Angelo In Vado (Umbrien) geboren. Seine
Eltern waren sehr fromm und haben ihn in der Furcht Gottes erzogen. Er war noch
ein Jüngling, als er im Kloster der Diener Mariens in St. Angelo das Ordenskleid
empfing. Während des Studiums blieb er eine Zeitlang dem Kloster fem. Nachdem er
in Philosophie und Theologie das Bakkalaureat erworben hatte, wurde er zum
Priester geweiht. In das Heimatkloster zurückgekehrt, wühlte er die strengere
Lebensrichtung: In Einsamkeit und Schweigen übte er sich eifrig in der Buße und
zwischen den Gemeinschaftsübungen und der Erfüllung seiner seelsorglichen
Pt1ichten widmete er sich der Betrachtung himmlischer Dinge.
Während seines Weilens in St. Angelo wurde er Vikar der römischen Provinz. Um 1550 erbaute er fast von Grund auf das Kloster der Schwestern, die sich der Mutter der Gnaden geweiht hatten und dem Orden angegliedert waren. In diesem Kloster lebte seine tugendreiche Mitbürgerin Viktoria.
Er kümmerte sich um das Wohl des Volkes und war bei der Ausübung seiner Pt1ichten wegen seiner guten Ratschläge so bekannt, daß der Fürst Friedrich von Urbino ihn sehr verehrte und ihn in schwierigen Fragen um Rat fragte, obwohl der Mann Gottes mit Beharrlichkeit die Ehrungen zurückwies und den Verkehr des Hofes mied, da er sich Gott allein widmen wollte.
Er starb um 1468. Unverzüglich pilgerten unzählige Gläubige zum Grab des Ordensmannes, wo sie um seine Fürsprache beteten. Er wurde schon bald nach seinem Tode wegen seiner Wunder bekannt und vom Volk als Seliger verehrt. Sein Leib ruht fast unverwest unter dem Hauptaltar der Kirche der Diener Mariens, wo das Volk ihn verehrt und scharenweise besucht. - Pius VI. bestätigte 1775 seine Verehrung.
SELIGER BONAVENTURA
VON PISTOlA, ORDENSPRIESTER
15. Dezember
Bonaventura wurde um das Jahr 1250 in Pistoia geboren. Durch das Wort und Beispie1 des hl. Phi1ippus Benitius wurde er zu einem heiligmäßigeren Leben angeregt, trat in unseren Orden ein und wurde zum Priester geweiht.
Als Konventoberer zeichnete er sich durch Klugheit und gute Ratschläge aus.
Als Prior der Gemeinschaft von Monte Pulciano nahm er die Profeß der heiligen Agnes von Pulciano entgegen und half ihr bei der Gründung des Klosters.
Um 1315 starb er in Orvieto, Pius VII. bestätigte 1822 seine Verehrung.
Er hat nur das getan, was Gott gefiel und den Menschenzum Wohle diente.
Bonaventura wurde Mitte des 13. Jahrhunderts in Pistoia geboren. Der Überlieferung gemaß trat er unter folgenden Umstanden in den Orden der Diener Mariens ein. Als 1276 das Generalkapitel in Pistoia tagte und der heilige Philippus Benitius sah, wie sich die Bürger in harter Feindschaft und Zwietracht zerfleischten, forderte er sie öffentlich auf, sich mit Gott und untereinander zu versöhnen. Ein junger Mano und Anführer der Ghibellinen wurde durch die Worte des Gottesmannes zur Umkehr bewegt und bat den heiligen Philippus, ihn in den Orden aufzunehmen. Als ihm das gewahrt wurde, gab man ihm auf seinen Wunsch hin den Namen Bonaventura.
Michael
Poccianti berichtet darüber in seiner "Chronik des Ordens": Von den Worten des
heiligen Philippus bewegt, versöhnten sich viele mit Gott, verteilten alles an
die Armen, verließen ihre Verwandten, schlossen sich Philippus an und
beschlossen, unter dessen Fahne der Jungfrau Maria zu dienen. Unter ihnen befand
sich auch ein Anführer der ghibellinischen Partei, der gleich nach der Ansprache
den Ordensoberen Philippus um Aufnahme in den Orden bat und beschloß mit Gottes
Hilfe Sühne für seine Sünden zu leisten. Der gute Vater nimmt ihn an und tragt
diesem einst so maß10sen Menschen auf, die einzelnen Feinde um Verzeihung zu
bitten und denen, die er beraubt hat, das Vierfache zu erstatten. Nachdem er
dieses Gebot des Evangeliums freudig und zur allseitigen Bewunderung erfüllt
hatte, wurde er vorschriftsmaßig in die Reihen der Diener Mariens aufgenommen.
Obwohl der Verfasser der Chronik über diesen Bericht keine Quellen angibt und, wie damals üblich, den Tatsachenbestand ausschmückt, glauben die Geschichtsschreiber des Ordens, auch die jüngeren Datums, daß die Bekehrung Bonaventuras der Wahrheit entspricht.
Der heilige Philippus schenkte ihm großes Vertrauen. Als er nämlich mit Papst Martin IV., der sich gerade in Perugia aufhielt, über die Erhaltung und Anerkennung des Ordens verhandelte, waren Lothar und Bonaventura, dessen Wissen und Klugheit er sehr schatzte, seine Begleiter.
Bonaventura, der sich umsichtig und klug erwiesen hatte, war in den folgenden Jahren Prior von Bologna und Perugia und eine Zeitlang leitete er auch die römische Provinz. Erwähnenswert ist vor allem die Leitung des Klosters von Monte Pulciano.
Hier horten unzählige Männer und Frauen seinen Vortragen zu. Nicht wenige seiner Zuhörer traten in unseren Orden ein und erhielten aus seiner Hand das Ordenskleid. Auf Anordnung des Bischofs Hildebrand von Arezzo legte er 1306 den Grundstein zur Kirche, die von der heiligmaßigen Jungfrau Agnes von Pulciano zu Ehren der Muttergottes erbaut wurde. Er leitete auch den Bau des Klosters, reichte Agnes und sechs Schwestern den Schleier und nahm ihre Profeß entgegen, die sie unter der Regel des heiligen Augustinus ablegten. Ais Agnes zur Äbtissin gewählt wurde, bestätigte er sie und half ihr durch seinen Rat, das Kloster zu leiten. Er starb um das Jahr 1315 und wurde bald durch viele Wunder bekannt. 1822 bestätigte Papst Pius VÜ. seine Verehrung. AnIaßlich der 600-Jahr-Feier seines Todes wurde der Leib des seligen Bonaventura 1915 nach Pistoia gebracht, wo er in der Kirche der Diener Mariens verehrt wird.
Oration Allmächtiger Gott, schenke uns in deiner Güte die Tugend der Weisheit, durch welche der selige Bonaventura die Brüder und Schwestern geleitet hat. Darum bitten wir durch Jesus Christus.